Englische Kultur, französisches Essen, mediterranes Flair

Die Kanalinseln bekommen mehr Wärme und Sonne ab als andere britische Inseln. Sie sind ein idealer Ort der Entschleunigung. Nächstes Jahr kann man auch ab Bern direkt nach Jersey und Guernsey fliegen.

Text: Artur K . Vogel | Fotos: Visit Jersey, Visit Guernsey

Bernerinnen und Berner könnten nächstes Jahr eine weitere attraktive Feriendestination direkt vom Heimflughafen in Belp aus anfliegen. Im April und Mai bietet das Reiseunternehmen Rolf Meier Reisen an vier Samstagen Direktflüge auf die Kanalinseln Jersey und Guernsey an. Wenn das Ergebnis überzeugt, soll das Angebot 2026 fest ins Programm aufgenommen werden.

Die Kanalinseln sind eine spannende Mischung: Aus Good Old England scheinen die Landhäuser, Dörfer und steinernen Kirchen zu stammen. In den Restaurants hingegen tafelt man Französisch und schlürft frische lokale Austern. Als starker Kontrast wachsen in den Gärten Palmen, denn dank des Golfstroms ist das Klima selbst im Winter mild.

Der Rhythmus des Lebens ist beschaulich, und Walter Fink von Rolf Meier Reisen empfiehlt die Kanalinsel gestressten Manager:innen und ihren Familien als Rückzugsorte. Das Reisebüro aus Neuhausen am Rheinfall ist spezialisiert auf die Kanalinseln, England, Wales, Irland, Malta und Zypern. «Sehr beliebt beim Schweizer Publikum sind Inselkombinationen», sagt Fink. «Wenn schon Jersey eine Destination ist, wo man sich um Jahrzehnte zurückversetzt fühlt, so geht es auf den kleineren Inseln noch gemächlicher zu.»

Fünf bewohnte Inseln

Auch an Guernseys Küste wechseln sich steile Klippen und weite Strände ab. Die Inselhauptstadt Saint Peter Port mit knapp 20 000 Einwohner:innen lädt mit ihren verwinkelten Gassen zum Flanieren. Die weitgehend unberührte Region an der Südküste Guernseys lockt Naturliebhabende und Wandernde. Von Guernsey gibt es Fährverbindungen nach Alderney, Herm und Sark. Alderney, die nördlichste Kanalinsel, ist acht Quadratkilometer gross und hat rund 2000 Einwohner:innen. Die felsige Insel wird vor allem wegen ihrer Ruhe und Abgeschiedenheit geschätzt.

Auf Sark (500 Einwohner:innen) erinnert ein Herrenhaus («Seigneurie») mit öffentlich zugänglichen Gärten daran, dass die Insel bis vor wenigen Jahren Europas letzter Feudalstaat war. 2008 wurden erstmals demokratische Wahlen abgehalten. Die ebenfalls autofreie Insel Herm ist mit 1,5 km2 und rund 80 Einwohner:innen winzig. In ihrem Süden gibt es imposante, 70 Meter hohe Steilklippen; die ganze Nordküste ist ein einziger Sandstrand.

Ein Steuerparadies

Ein Seigneur ist auch der 78-jährige Vincent Obbard, Besitzer des Samarès Manor, einem herrschaftlichen Anwesen mit einem gepflegten Park. Die Seigneurs von Jersey waren einst Lehensnehmer der Krone und lebten von den Abgaben ihrer Untertanen. Der heutige Seigneur, der 45., findet seinen Titel «irgendwie lustig», wie er sagt, «aber bedeutungslos». Obbard lebt von Eintrittsgebühren der Besuchenden.

Saint Helier, Jerseys Hauptstadt, ist der einzige Ort, der erahnen lässt, dass hier zu viel Geld vorhanden ist: Saint Helier mit seinen 40 000 Einwohner:innen besitzt eine putzige Altstadt, wird aber von protzigen Bürobauten dominiert. Jersey ist als Kronbesitz direkt dem britischen Monarchen unterstellt; die Verwaltung ist autonom; niedrige Steuern locken reiche Ausländer:innen an. Zudem waren Jersey und Guernsey lange Jahre als Finanzplatz mit grosszügiger Handhabe des Bankgeheimnisses bekannt, weshalb vor Jahrzehnten die ersten Fluggäste aus der Schweiz Banker waren, wie Walter Fink lachend bemerkt.

Um sich auf Jersey fortzubewegen, ist der öffentliche Verkehr ideal. Aber da die Insel relativ flach und nicht sehr gross ist (der höchste Punkt liegt auf 136 Meter), kann man sie auch mit Mietvelos erkunden. Zumal rund 80 km kleine, verkehrsberuhigte Strassen und Wege als «Green Lanes» ausgeschildert sind. Auf ihnen darf höchstens 24 km/h gefahren werden; Wandernde, Radfahrende und Reiter:innen haben Vortritt.

Spektakuläre Küsten

Spektakulär sind Jerseys Küsten vor allem, wenn man sie mit Trudie Trox erkundet. Die Deutsche kam als Reisebuch- Autorin auf die Insel und blieb der Liebe wegen. Zusammen mit ihrem Mann Derek betreibt sie die Jersey Kayak and Walk Adventures. Eine Wattwanderung mit ihr vom Hafen von La Rocque hinaus zum Seymour Tower erweist sich als grossartige Lektion in Botanik und Zoologie, Geschichte und Gesellschaftskunde.

Allein Trudies Storys darüber, wie das Abernten von Seetang bei Ebbe oder die Austernzucht zu Wohlstand und Clan-Fehden führten, könnten ein Buch füllen. Beredt schildert sie die Tücken der Flut. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist hier so gross wie kaum irgendwo sonst. An der Plémont Bay am nordwestlichen Zipfel der Insel zu erleben, wie sich die wilden Wassermassen tosend und Gischt aufsprühend an den Felsen brechen, ist ein eindrückliches Schauspiel.

Am Schluss fährt man hinaus nach St. Mary im Norden und lässt sich die La Mare Wine Estate zeigen. Dort wachsen nicht nur Weinreben, was überraschend ist für eine Gegend so weit nördlich. Auch Apfelwein, Gin, Brandy, Schokolade, Konfitüren, Karamell und Bier werden hier produziert. Wenn Jersey ein britisch-mediterraner Mikrokosmos ist, dann ist La Mare ein Mikrokosmos der Insel Jersey.

rolfmeierreisen.ch, jersey.com, visitguernsey.com

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1 Kommentar

würde mich sehr reizen habe schon lange ein Auge auf die Inseln

Wahlen Ursula

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