Alles in die Mitte, bitte!

Der wohlschmeckende Widerstand gegen die «Meins-meins-meins!»-Mentalität unserer Zeit nennt sich «Sharing Dishes» – und macht Kulinarik zum Kollektiverlebnis.
Text: Daniela Dambach

Der Trend des Teilens, der längst die Wirtschaft erreicht hat, man denke nur an «Sharing Economy» oder «Collaborative Consumption», erreicht nun auch die Teller und Tellerchen – sozusagen als appetitliches Äquivalent zum Co-Working-Space. Während man sein Gegenüber früher bittend gefragt hätte: «Darf ich auch eine Gabel davon probieren?», bestellt man heute einfach gleich mehrere Gerichte zusammen. «Sharing Dishes» oder «Communal Dining» nennt sich der Trend, der vor einer Weile undenkbar war – ein Teller extra zum Teilen galt als verpönt, als wäre die Hauptmahlzeit ein Hoheitsgebiet, streng abgesperrt durch Besteckbänkchen.

Wie so oft bei Trends, gehen sie auf traditionelle Speisekonzepte zurück; etwa spanische Tapas, griechische Mezze, italienische Tavolata oder koreanische Banchan. Für das Buffet am eigenen Tisch achten Gastgebende auf hübsche Platten, wechselnde Schälchen und überraschende Präsentationsformen. Doch geht es dabei um mehr als bloss Essen: Es ist ein soziales Pingpong aus Gabeln und Löffeln, ein Chor aus «Oh!» und «Mmh!» beim Probieren, gewürzt mit Gesprächen, nicht selten natürlich über unterschiedliche Geschmäcker. Vielleicht macht den Reiz von «Sharing Dishes» gar aus, dass man probiert, was man sich selbst nie bestellt hätte. So gesehen ist es eine Ermutigung zum kulinarischen Perspektivenwechsel.

Tipps zum Teilen

Das Restaurant Tiger im Herzen der Solothurner Altstadt serviert 9 Gerichte in 4 Runden oder deren 6 in 3 Runden. Getreu dem Spruch «Du lernst viel über jemanden, wenn du mit ihm eine Mahlzeit teilst» bieten die Luzerner Jungs von «Fed» ein Food-Sharing-Konzept, dank dem man «grenzenlos» geniessen kann. Ebenfalls in Luzern steht dem Namen entsprechend in der «Sharing Brasserie Juliette» im Grand Hotel National das gemeinsame Geniessen von Gerichten im Mittelpunkt. Und in Bern ermuntert das Restaurant Capitol mit frei wählbaren Gerichten in der Grösser einer Vorspeise zum Teilen mit den Tischnachbar:innen.

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