Hier entsteht Schmuck mit Geschichte

Seit 30 Jahren lebt Yvonne Schediwy von der Silberschmiede ihre grösste Leidenschaft: dem Schmieden von Schmuckstücken. Anlässlich ihres Jubiläums gönnte sie sich mit Ihrer Tochter Sara Lehmann und dem kleinen Enkelsohn Marlon eine Reise nach Hawaii, auf der sich das Mutter-Tochter-Gespann für seine nächste Schmuckkollektion inspirieren liess. Ihre gemeinsame Jubiläumsausstellung widmet sich dem Thema «Ohana» – das hawaiianische Wort für «Familie». Sie findet vom 14. bis 21. September statt und zeigt, was die beiden Schmuckdesignerinnen von ihrem Hawaii-Trip im letzten Januar mitgebracht haben: unvergessliche Eindrücke von Fauna und Flora, schimmernde Perlen und erlesene Edelsteine, die sie in Handarbeit zu organisch geformten, einzigartigen Schmuckstücken verarbeitet haben.

Yvonne Schediwy hat sich nie vorschreiben lassen, was frau tun darf und was nicht. Zum Glück. Sonst wäre die Welt heute um zwei kreative Schmuck-Schaffende ärmer.

In den frühen 80-Jahren hiess es in Ihrem Fall, dass dies kein Beruf für Frauen sei. Man müsse gut sein in Mathematik und technischem Zeichnen. Oder zumindest eine Familiengeschichte in der Uhren- oder Bijouteriebranche haben. Kreativität? Interessiert niemanden. Dass Yvonne Schediwy schon als kleines Mädchen alle Edelsteine kannte und begabt war – nur eben in Musik und Gestalten und weniger in Mathematik – spielte keine Rolle, als es darum ging, der jungen Frau den Berufswunsch Goldschmied auszureden. Da half alle Unterstützung der Familie nicht. Also wählte Sie einen anderen Weg und reiste nach der ersten Ausbildung nach Brasilien.

    

Denn: Nur weil man sie in der Schweiz nicht liess, liess sich die starke junge Frau den Traum vom Beruf als Goldschmiedin – oder letztlich eben Schmuck-Designerin – nicht madig machen. Im Gegenteil. Sie zog nach Brasilien und lernte an einem paradiesischen Ferienort nicht nur den Vater ihrer Tochter kennen, sondern auch das Handwerk der Schmuck-Herstellung von den nativen Artesanos. Nicht mithilfe ausgefeilter Technologie und an Edelmetallen, sondern in Handarbeit und mit Bambus, Kokos, Steinen und anderen Materialien. Und – mindestens genauso prägend für ihr heutiges Schaffen: Sie fand Zugang zu Edelsteinen, und zwar direkt in den Minen.

 

Nach der Rückkehr in die Schweiz stand Yvonne Schediwy bald alleine mit ihrer kleinen Tochter Sara da. Und war vor die Wahl gestellt: Einen Job finden, das Kind fremdbetreuen lassen und den Traum vom Dasein als Schmuck-Designerin aufgeben. Oder noch einmal auf eigene Faust einen Weg finden, das möglich zu machen, was so viele rund um sie herum als nicht machbar taxieren.

Yvonne Schediwy entschied sich für den zweiten Weg, baute sich einen Marktstand und kaufte in den Brockis der Region altes Silberbesteck, das sie zu neuen Schmuckstücken verarbeitete und auf Märkten in der ganzen Schweiz verkaufte. Dass sie so zu einer veritablen Trendsetterin werden sollte, zeigte sich erst Jahre später – als die Schmuckstücke aus verdrehtem Besteck grossflächig angesagt und hip wurden. Doch da waren Yvonne Schediwy und ihre Tochter schon lange wieder mit anderen, neuen, Arbeitstechniken beschäftigt.

2002 folgte der Umzug vom Garagen-Atelier in Seftigen an die Burgstrasse in Thun, 2008 eröffnete sie ihr eigenes Atelier mit Laden am heutigen Standort in der malerischen Oberen Hauptgasse in Thun. Wobei: Atelier und Laden werden dem, was die Kundin dort erwartet – meistens sind es tatsächlich immer noch Frauen, die sich Schmuck aus der Silberschmiede Thun gönnen – nur ansatzweise gerecht wird. Der grosse Raum, der zwar aus der historischen Gasse zugänglich aber auf der gegenüberliegenden Seite einen herrlichen Blick auf die Aare freigibt, ist neben Atelier und Laden eben auch Ausstellung, Begegnungsort, ja schier einem Wohnzimmer gleich. Hier wird nicht nur gestaltet, gearbeitet und gehandelt – hier wird auch geplaudert, zugehört, berichtet, «käfelet».

  

Ja: In der Silberschmiede Thun werden Geschichten erzählt. In Wort – und in Gestalt der schmuckvollen, schmucken und schmückenden Kunstwerke, die Yvonne Schediwy und ihre Tochter Sara Lehmann gemeinsam erschaffen. Dass die Tochter dem Pfad der Mutter folgt scheint irgendwie logisch – auch, oder gerade wenn, sie gesteht, dass sie einst eine Kochlehre angefangen hat, nur um der Mutter zu zeigen, dass sie auch ihre eigenen Ideen verfolgen kann.

Aber die Leidenschaft für Schmuck und Design waren stärker, Sara brach die Lehre ab – und schaffte es zusammen mit ihrer Mutter eine Ausbildung zu absolvieren, die in der Schweiz bisher einzig und allein sie gemacht hat: Eine Kombination aus Bijouterie-Fachangestellter und Goldschmiedin. Nach einigem Hin und Her liess sich das kantonale Berufsbildungsamt auf den Versuch ein; eine Bijouterie half mit – und Sara schloss die Ausbildung erfolgreich ab.

Was letztlich nichts anderes bedeutet, als dass Mutter und Tochter heute gemeinsam ihrer Leidenschaft frönen. Gemeint ist damit nicht nur die ständig neue Suche nach Ideen und Inspiration wie komplett neuer, individueller Schmuck geschaffen – oder aus alten Schmuckstücken neue geformt werden können. Nein, sie gestalten auch ihre Ausstellung gemeinsam, den Web-Auftritt, die fotografische Präsentation ihrer Werke eigenständig. Kurzum: Alles, was mit Kreativität zu tun hat. Ausgelagert haben sie einzig die Buchhaltung.

 

Neue Inspiration holen sich Yvonne Schediwy und Sara Lehmann indes nicht nur in und um die Silberschmiede in Thun, sondern auch auf Reisen. Ferien als klassisches Nichtstun kennen sie nämlich nicht. Vielmehr ist ein Skizzenbuch steter Begleiter auf ihren Reisen, die sie in die entlegensten Winkel dieser Erde führt – an Orte, wo sie neue Materialien und Ideen für ihre Werke finden. Auf Ihrer Reise besuchten Sie Minen und kauften erlesene Edelsteine, auf Perlenfarmen haben sie für ihre neue Kollektionen schimmernde Kostbarkeiten erstanden, die sie in Handarbeit zu organisch geformten, einzigartigen Schmuckstücken verarbeitet haben.

Und weil die beiden nichts lieber tun als teilen, bringen sie ihre Inspiration jeweils auch mit nach Hause. Und zwar in Form einer neuen Schmuckkollektion, die Sie in Ihrem Geschäft im Herzen von Thun in Form einer Ausstellung präsentieren.

Die Ausstellung «Ohana» findet vom 14.– 21. September zu Geschäftsöffnungszeiten statt.

Silberschmiede, Obere Hauptgasse 66, Thun

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