Sonja Knapp – Kunst im Dialog mit Mensch und Natur

Von der Pariser Haute Couture zur freien Kunst: Sonja Knapp hat ihr Leben der Form, der Bewegung und der Schönheit gewidmet. Heute sind es vor allem ihre eindrucksvollen und monumentalen Skulpturen aus Bronze, Aluminium und hochglanzpoliertem Edelstahl, die faszinieren – Werke, die ihre Umgebung aufnehmen und mit jedem Blick neue Bilder entstehen lassen.

Diese Woche wurde auf dem Casinoplatz in Bern die Skulptur «Liberté» der Schweizer Künstlerin Sonja Knapp gemeinsam mit der Künstlerin und der Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit enthüllt. Das Werk aus poliertem Aluminium ist bis zum 13. November 2026 zu sehen. 

Bild links: Gastgeber Claudio Righetti eröffnete anlässlich seiner legendären Chalet Muri Talks die Ausstellung im Chalet Muri inmitten illusterer Gäste. Bild rechts: Marieke Kruit (Berner Stadtpräsidentin), Sonja Knapp (Künstlerin und Ehrengast), Claudio Righetti (Gastgeber

Sonja Knapps künstlerischer Weg ist so aussergewöhnlich wie ihre Werke. Die gebürtige Zürcherin begann als Grafikerin und Illustratorin in Paris und bewegte sich schon früh mitten in der internationalen Kreativszene. 1965 gründete sie gemeinsam mit Emanuel Ungaro das Modehaus Ungaro. Ihre Stoffdrucke, Entwürfe und sogenannten «Body Sculptures» prägten dessen unverwechselbare Handschrift. Während rund 25 Jahren war sie Teil der Pariser Haute Couture und arbeitete international von Europa bis nach Asien und in die USA.

Doch irgendwann wurde ihr die Mode als Ausdrucksform zu eng. Sonja Knapp suchte die Freiheit, ohne Auftrag, Vorgaben oder saisonale Trends zu gestalten. Sie wandte sich zunächst der Malerei und später immer stärker der Bildhauerei zu. Was aus dieser Freiheit entstand, ist eine Kunst, die nicht allein gesehen, sondern erlebt werden will.

Wenn der Betrachter Teil des Kunstwerks wird

Besonders faszinierend sind Knapps Plastiken aus Bronze, Aluminium und hochglanzpoliertem Edelstahl – Inox. Vor allem die spiegelnden Oberflächen verleihen ihren Arbeiten eine beinahe zusätzliche Dimension. Sonja Knapp spricht von 4-D-Skulpturen. Himmel, Wolken, Bäume, Licht und Schatten wandern über das Metall. Und plötzlich erscheint darin auch der Betrachter selbst.

Wer sich um eine Skulptur bewegt, verändert damit zugleich das Bild, das sie zeigt. Kein Blick gleicht dem anderen. Die Werke scheinen sich mit ihrer Umgebung zu verwandeln und treten in einen unmittelbaren Dialog mit den Menschen vor ihnen. Aus einer statischen Skulptur entsteht etwas Lebendiges – ein Spiel von Licht, Bewegung, Reflexion und Wahrnehmung.

Dabei beginnt Knapps Kunst nicht mit einer theoretischen Idee. Sie entsteht aus Beobachtung, Intuition und Gefühl. Formen werden reduziert, bis etwas Wesentliches übrig bleibt. Denn die Künstlerin will die Natur nicht einfach abbilden. Sie versucht vielmehr, das Wesen eines Lebewesens zu erfassen: die Eleganz eines Vogels, die geheimnisvolle Ruhe einer Katze oder die filigrane Kraft eines Insekts.

Kleine Wesen ganz gross

Gerade Insekten nehmen in ihrem Werk einen besonderen Platz ein. Knapp vergrössert die oft übersehenen Tiere zu monumentalen Skulpturen und zwingt uns damit beinahe, genauer hinzusehen. Käfer, Heuschrecken und andere kleine Lebewesen erhalten plötzlich eine Präsenz, die ihnen im Alltag kaum zugestanden wird.

Dahinter steckt mehr als Faszination für ihre Formen. Mit ihren «Giant Insects» lenkt Sonja Knapp den Blick auf die Bedeutung der Insekten für unsere Ökosysteme und auf die schwindende Biodiversität. Was sonst leicht übersehen oder gar als störend empfunden wird, steht auf einmal gross und unübersehbar vor uns. Schönheit wird so auch zur Botschaft.
Auch in ihren Bildern bleibt diese intensive Auseinandersetzung mit der Natur spürbar. Besonders Katzen beschäftigten sie zu Beginn ihrer freien künstlerischen Arbeit: ihre Ruhe, ihre Bewegungen, ihre schwer fassbare Eigenständigkeit. Immer geht es Knapp weniger um das naturgetreue Abbild als um Charakter und Wesen.

Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft ihrer Kunst. Sonja Knapp zeigt nicht einfach einen Vogel, eine Katze oder ein Insekt. Sie sucht nach dem Moment, in dem wir glauben, dessen Wesen zu erkennen. Und in den glänzenden Flächen ihrer Skulpturen begegnen wir dabei unvermittelt auch uns selbst.

Die Ausstellung «Kunst im Dialog mit Mensch und Natur» lädt im Chalet Muri-Bern dazu ein, Knapps vielseitiges Schaffen zwischen 1996 und 2026 zu entdecken – mit Bildern und Plastiken im Haus sowie grossformatigen Skulpturen im Park. Ein faszinierender Einblick in das Werk einer Künstlerin, deren Weg von der internationalen Modewelt bis zu ausdrucksstarker Kunst aus Bronze, Aluminium und Inox führte.

 

Credits: luum-agency / Juri Hofmann & Noelle Rohrer

 

 «Kunst im Dialog mit Mensch und Natur» – die Ausstellung von Sonja Knapp im Chalet Muri-Bern
 
26. August – 12. September 2026 
 
Im Rahmen des Chalet Muri ART Talks ermöglicht die Ausstellung einen vertieften Einblick in das künstlerische Schaffen der Künstlerin zwischen 1996 und 2026. Auch im Park des Chalet Muri sind einige grössere Skulpturen von Sonja Knapp zu entdecken. Der Eintritt ist frei.
 
Besichtigungszeiten: Dienstag bis Samstag, 14–18 Uhr
 
Thunstrasse 77 / 3074 Muri bei Bern (vis-à-vis Gemeindehaus Muri)



 

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